Neue Ära, neue Ziele und Herausforderungen

Ein bedeutender Stabwechsel findet statt: Antoine Bolay übernimmt neu die Leitung Produktion und Technik bei Swissmill. Nach 35 Jahren im Betrieb geht Raimund Eigenmann in Pension. Das Kornmagazin traf die beiden Chefs zum Gespräch.
Die Stabübergabe mit einem historischen Stück Eisenbahnschiene: Antoine Bolay (links) und Raimund Eigenmann auf der neuen Stützmauer der aktuellen Gleiserweiterung beim Bahndamm. Das letzte Swissmill-Projekt in der Verantwortung von Raimund Eigenmann vor seiner Pensionierung. Bild: Mischa Scherrer

Man spürt es sofort, die beiden Herren kennen und verstehen sich. Seit 2006 arbeiten sie zusammen. Beim Gespräch Mitte Januar 2021 zeigt sich ihr offener und direkter Umgang, es wird diskutiert und auch gelacht. Jetzt kommt es zum grossen Wechsel. Ende März verlässt Raimund Eigenmann seinen Arbeitsplatz in der Mühle, wo er seit 1993 die Verantwortung über Produktion und Technik trug.

Herr Bolay, grosse Projekte im Unternehmen sind im Tun und warten auf Ihr Mitwirken. Sie starten steil.

Antoine Bolay: Sie sagen es: Im laufenden Jahr haben wir vor, alle Walzenstühle in der Mühle zu ersetzen. Und längerfristig arbeiten wir an einem neuen Masterplan für die baulich-betriebliche Weiterentwicklung des Unternehmens. Wie Sie sehen, hängen hier ringsum schon die Konzeptionspläne für die Arealentwicklung. Darüber werden wir aber zu einem späteren Zeitpunkt noch genauer informieren.

Sorgfältige Vorbereitung

Ereignisreiche Zeiten stehen also bevor. Herr Eigenmann, wie ist es für Sie, gerade jetzt in Pension zu gehen? 

Raimund Eigenmann: Wir haben diesen Führungswechsel lange vorbereitet. Es ist genau der richtige Moment, um wesentliche Projekte, die teilweise über Jahre dauern und ineinanderlaufen, in neuer Teamzusammensetzung anzupacken. Da können nicht zwei aus der gleichen Ecke im gleichen Kochtopf rühren. 

Bolay: Dass du, Raimund, über alle Jahre ein Innovationstreiber warst, ist bekannt. Es freut mich natürlich, dass wir «Jungen» im Zuge deiner Pensionierung gleich mit einem rasch sichtbaren Projekt starten und zusammen mit Bühler den Bau der neuen Mühlen realisieren können. 

Eigenmann: Ja, das ist toll. Die Mühlen sind das Herz unseres Betriebes. 

Wie kam es, dass Sie, Herr Eigenmann im jungen Bolay einen geeigneten Nachfolger sahen?

Eigenmann: Alles begann mit seinem Praktikum bei uns. Er verstärkte dann die Kleinpackabteilung, weil es noch keine freie Stelle für ihn gab. Im Team bekam er gute Noten, und mir wurde gesagt: Den müssen Sie behalten. Antoine packte überall an, wo es Arbeit gab. 

Bolay: Stimmt. Und wenn nicht allzu viel los war, bekam ich die Möglichkeit zur Weiterbildung. So wuchs ich schön in immer neue Arbeiten, Fachbereiche und Führungsaufgaben im Bereich Endfertigung und Verpackung sowie QM hinein und wurde zunehmend auch mit Managementfragen, Zielen und Investitionen vertraut. Dieser Werdegang hat einen grossen Wert für mich und hilft mir enorm.

Schöne Technik, reine Griesse: Raimund Eigenmann mit einer Griessputzmaschine in der Mühle. Bild: Mischa Scherrer

Neu in der GL 

Neu gehören Sie, Herr Bolay, zur fünfköpfigen Geschäftsleitung von Swissmill unter der Leitung von Romeo Sciaranetti. Anfang Januar haben Sie erstmals an einer Sitzung teilgenommen. Mit Ihren 38 Jahren sind Sie auch altersmässig das jüngste Mitglied. Wie war für Sie diese Premiere? 

Bolay: Tipptopp. Ich freue mich und bin dankbar für das, was ich im Rucksack habe. Ich weiss, worum es geht, und kenne auch mögliche Herausforderungen. 

Von Ihrem direkten Vorgesetzten, Herrn Eigenmann, konnten Sie viel lernen. Was zum Beispiel? 

Bolay: Wo soll ich da anfangen? Er gab mir alle nötigen Werkzeuge mit auf den Weg. Wichtig ist mir zum Beispiel, nahe bei den Leuten zu sein, hinzuhören und zu spüren, was sie bewegt. Homeoffice kommt da für mich kaum in Frage. In hektischen Situationen versuche ich, wo möglich, den Mitarbeitenden den Rücken zu decken, auch mal mit anzupacken oder ihnen etwas abzunehmen, sei es nur ein Telefonat. Einen Leitspruch habe ich mir gemerkt: «Der Betriebsleiter leitet den Betrieb und im Notfall geht er auf die Leiter.» 

Zudem habe ich gelernt, offen zu sein, weil die verschiedensten Mitarbeitenden und auch Externe vielleicht eine Idee für etwas Neues oder für eine Problemlösung einbringen können. Und wenn bei Projekten wirklich etwas knorzt, Abstand zu nehmen, die Dinge anders anzuschauen und neu anzugehen. 

Und Sie, Herr Eigenmann, inwiefern haben Sie von Antoine Bolay als Ihrem jungen Sparringspartner profitiert oder lernen können? 

Eigenmann: Eine spannende Frage. Durch den Austausch mit ihm blieb ich «jünger» und nicht stehen. Besonders im Bereich der Digitalisierung, den SAP- und Leitsystemen, war Antoine für mich schon früh eine grosse Unterstützung. Da konnte ich ihn vorgehen lassen; auch kümmerte er sich übrigens um meine Powerpointpräsentationen. Erfolge haben wir immer gemeinsam gefeiert. 

Bolay: Ja, und umgekehrt hielten wir uns an die Devise: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Das nehme ich auch mit.

Lieferbereite Flocken – Antoine Bolay war bis vor Kurzem Leiter der Kleinpackabteilung. Rechts hinten ein Verpackungsroboter. Bild: Mischa Scherrer

Enge Teamarbeit 

Herr Bolay, seit 2016 wirken Sie als Stellvertreter von Raimund Eigenmann. Neu tragen Sie seit Anfang Jahr die Gesamtverantwortung über Produktion und Technik. Dabei arbeiten Sie besonders eng mit zwei Spartenchefs zusammen. Was heisst das? 

Bolay: Ich vertrete unsere Abteilung mit 60 Mitarbeitenden in der Geschäftsleitung und halte übers Ganze gesehen die Fäden zusammen. Das Personelle wurde mir bereits im Juni 2020 übergeben. Ich kümmere mich um Anstellungen und führe die verschiedenen Teameinheiten. Wichtig ist mir zudem die interne und externe Kontaktpflege und dass die Kommunikation im Fluss ist. Selber bin ich Lebensmittelingenieur. Um der Komplexität unserer Mühle gerecht zu werden, bringt Simon Künzle als Maschineningenieur das spezifisch technische Know-how in die Führung unserer Abteilung ein und Obermüller Erwin Waldvogel die müllerische Kompetenz. 

Das tönt gut und sinnvoll. 

Bolay: Wir ergänzen uns ausgezeichnet, verstehen uns auch wirklich gut und vereinen eine geballte Ladung an Kompetenzen, die wir einbringen. 

Eigenmann: Ja, die drei passen wunderbar zusammen. Sie haben Elan, und ich spüre eine gewisse Aufbruchstimmung. 

Schauen wir auf das vergangene Jahr zurück. Da wurden Sie in der Produktion mit einer Knacknuss konfrontiert. 

Bolay: Wir hatten angesichts der enormen Nachfrage mengenmässige Engpässe in der Vermahlung beim Weisswehl. Ich ging dann mit den Müllern reden und stellte Fragen: Woran liegt es? Kann man etwas in den Abläufen umstellen? Mein Beitrag war es, sie zu motivieren, Dinge ganz neu auszuprobieren. So kamen verschiedene Verbesserungsansätze aus dem Müllerteam. 

Eigenmann: Du hast ihnen Vertrauen geschenkt. Bis schliesslich eine zündende Idee von unserem Müller Fernando Lopez die einfachste Lösung brachte. Eine Art «Figgi und Müli»-Lösung mit neuen Kombinationen, wie die Mühlen eingesetzt werden sollen. Zusammen mit Simon Künzle hast du diese Neuerung dann strukturiert, auf dem WinCoS-Leitsystem abgebildet und in Zahlen auf Papier gebracht. Chapeau, euch allen!

Für die Stabübergabe haben Sie, Herr Eigenmann, symbolisch etwas Besonderes ausgewählt: ein recht schweres Stück Eisenbahnschiene von 1898.

Stabübergabe mit Symbolkraft: Mehr als 100 Jahre hatte das Gleis auf dem Mühlenareal gehalten. Bild: Mischa Scherrer
Bolay: Ja, Raimund, da müssen wir zwei für die Übergabe noch etwas trainieren … 

Eigenmann: Aber sicher! Das Stück stammt von einem Zuführgleis zu unserer Mühle. Ohne Eisenbahn für die Getreidezulieferung nützt uns die ganze Mühle nichts. Bei einer Gleiserneuerung durch Walo habe ich es 2002 bekommen. Mehr als 100 Jahre hatte das Gleis gehalten. 

Bolay: Mir gefällt die Symbolik. Der «Stab» hat Gewicht und mit Blick auf die Zukunft bedeutet er für mich Kontinuität und immer wieder mal eine neue Weichenstellung.

Beruf und Familie 

Sie strahlen Zuversicht aus, Herr Bolay. 

Bolay: Ja, ich bin wirklich sehr zuversichtlich. Ich bekomme ein gutes Erbe mit super Leuten in einem super Betrieb. Da wünsche ich mir, dass ich gut darauf aufbaue und wir etwas erreichen und wachsen können. Sei es im Bereich der Vielfalt und Art der Produkte, dank Ideen im Team oder durch externe Beziehungen und technische Neuerungen. 

Woher nehmen Sie Ihre Energie?

Bolay: Wesentlich ist sicher meine Freude an der Arbeit, am Betrieb. Meine Frau kann das bestätigen. Sie sagt mir öfters, dass sie mich nie schimpfen höre, wenn ich zur Arbeit gehe. Ich möchte aber betonen, wie wichtig es mir ist, dass die Familie nicht zu kurz kommt. Unsere Tochter ist acht, unser Sohn vier, da will ich mich auch engagieren, damit die familiäre Beziehung nicht ins Ungleichgewicht fällt. Das ist mein Herzensanliegen.

So wünschen wir Ihnen beiden, Herr Bolay und Herr Eigenmann, in jeder Beziehung für das Kommende in alter Müller Manier: «Glück zu!»


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